Text
Frank Schirrmacher, 1959-2014
Wir haben noch nicht einmal nur annähernd begriffen, was das Wesen der digitalen Welten ist, wie sie unsere alten Lebenswelten verändern, was sie mit uns und in unseren Köpfen machen.

Frank Schirrmacher, 1959-2014

Wer war Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher wurde am 5. September 1959 in Wiesbaden geboren. 1979 legte er das Abitur an der Humboldt-Schule in Wiesbaden ab. Danach studierte er bis 1984 die Fächer Germanistik und Anglistik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie am Clare College der Universität Cambridge, wo Literatur und Philosophie hinzukamen. 1988 promovierte Schirrmacher zum Dr. phil. an der Universität-Gesamthochschule Siegen. – Schon vier Jahre zuvor hatte er auf Anregung des Politologen Dolf Sternberger eine Hospitanz beim Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erhalten. Seit dem Juli 1985 arbeitete er dort als Redakteur insbesondere für literarische Themen.

Als Marcel Reich-Ranicki 1989 altershalber vom Posten des Literaturchefs der FAZ zurücktrat, wurde Schirrmacher zu dessen Nachfolger für das grosse Gebiet „Literatur und literarisches Leben“ ernannt. Er bekleidete dieses Amt bis 1993. Danach – seit dem 1. Januar 1994 – stand er als Nachfolger von Joachim Fest als einer der fünf Herausgeber und zuständig für das Feuilleton in der journalistischen Gesamtverantwortung für die FAZ.

Als Mitherausgeber öffnete Schirrmacher die Seiten des von ihm stark ausgebauten Feuilletons auch für Themen und Fragen aus dem Einzugsbereich der Naturwissenschaften, der Technikphilosophie und der medizinischen Forschung.

Der Autor Schirrmacher verfasste eine Reihe von Büchern, die brennende Fragen unseres Zeitgeschehens aufgriffen und in allgemein verständlicher Sprache einer grossen Öffentlichkeit vermittelten. 2004 erschien „Das Methusalem-Komplott“, eine Analyse zu den Folgewirkungen der demographischen Entwicklung im Westen. 2006 folgte „Minimum“, worin sich Schirrmacher mit der Auflösung klassischer Familienmuster beschäftigte. „Payback“ (2009) untersucht den Einfluss und die Gefahren, die durch die modernen Informationsmedien ausgelöst werden. Zuletzt erschien 2013 das Werk „Ego“ – ein Buch, das sich kritisch und engagiert mit dem Wesen und den Auswüchsen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise befasst.

Frank Schirrmacher erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen – so unter anderen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1999), den Ludwig-Börne-Preis (2009), die Josef-Neuberger-Medaille (2012) und mehrfach den Titel „Journalist des Jahres“. – Frank Schirrmacher starb im Juni 2014 an den Folgen eines Herzinfarkts. Er hinterliess seine Ehefrau Rebecca Casati und zwei Kinder.